Integrationspreis 2011

   
   
   
   
   

Österreichischer Integrationspreis 2011: Die Sieger stehen fest


Das Projekt „Roma-Jugend“ des Lions Club Murau, das „Hausbesuchsprogramm HIPPY für Eltern von Vorschulkindern in Wien, Niederösterreich und der Steiermark“ der beratungsgruppe.at, der „KunstSozial Raum Brunnenpassage“ der Caritas der Erzdiözese Wien sowie die gelebte Diversität bei wohnpartner, dem Nachbarschaftsservice im Wiener Gemeindebau – das sind die Gewinner des Österreichischen Integrationspreises 2011, der gemeinsam von ORF, dem Verein „Wirtschaft für Integration“ und der österreichischen Wirtschaft vergeben wurde. Vier weitere Projekte erhielten eine Anerkennung in der Höhe von jeweils 2.500 Euro. Bei der glanzvollen Preisverleihung am Mittwoch, dem 8. Juni 2011, im Wiener Rathaus wurde außerdem der bekannte Hersteller von Konfitüren und Gemüsedelikatessen, Hans Staud, mit einem Ehrenpreis der Jury ausgezeichnet. Der ORF zeigte die Höhepunkte der Veranstaltung in einem „Konkret spezial“.



Konkret Spezial, 9.6.2011


Preisträger 2011 in der Kategorie „fördern & unterstützen“
„KunstSozial Raum Brunnenpassage“, Caritas der Erzdiözese Wien, Wien

 Die Brunnenpassage in Wien-Ottakring bietet täglich Kunst und Kultur für Menschen rund um den Brunnenmarkt. Die Besucher/innen unterschiedlichster Herkunft können an Kunstprojekten mitwirken und sich dabei kennenlernen. Ziel ist es, allen Bevölkerungsgruppen Zugang zu insbesondere zeitgenössischer Kunst zu erschließen. Dabei wird das Potenzial künstlerischer Prozesse auch als Mittel für sozialen Wandel genutzt. Über Kunst wird erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert.
Die Jurybegründung: „Die Brunnenpassage bietet täglich Kunst und Kultur für Menschen rund um den Brunnenmarkt in Wien. Die Besucher/innen aus unterschiedlichster Herkunft können nachhaltig an Kunstprojekten mitwirken und sich dabei kennenlernen. Ziel ist es, allen Bevölkerungsgruppen Zugang zu insbesondere zeitgenössischer Kunst zu erschließen. Das Potenzial von künstlerischen Prozessen wird dabei auch als Mittel für sozialen Wandel genutzt. Über Kunst wird erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert.“
Preis und Urkunde übergaben die Vorstandsdirektorin der Österreichischen Lotterien, Bettina Glatz-Kremsner, und Karl-Heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender von PORR, an Werner Binnenstein-Bachstein.


Preisträger 2011 in der Kategorie „anpacken & initiativ sein“
„Roma Jugend“, Lions Club Murau, Steiermark

 Pflegen statt betteln – so lautet ein Ziel des Projekts: Jugendliche aus der diskriminierten, ungarisch sprechenden Minderheit der Volksgruppe der Roma in der Slowakei werden in einem zwölfmonatigen Kurs zu Pflegerinnen und Pflegern ausgebildet. Finanziert wird die Ausbildung durch einen Bildungskredit, der vom Lions Club Murau sowie von freiwilligen Spendern gewährt wird. Nach Erlangen der Erwerbsfähigkeit soll ein Teil der Ausbildungskosten von den Jugendlichen refundiert werden. Bei Erfolg in diesem Pilotprojekt erwarten sich die Initiatoren, dass dadurch europaweit Sozialhilfeausgaben eingespart und soziale Spannungen reduziert werden.
Die Jurybegründung
: „Bei dem Projekt handelt es sich um die Initiative einer Person, die mit dem Thema per se nichts zu tun hat. Die negativ konnotierten Themen Betteln und Roma werden umgedreht. Daraus ergibt sich, dass aus worst-worst win-win wird. Unterstützung heißt nicht nur geben, sondern auch etwas zu bekommen: Das Projekt basiert auf einem eigenen Finanzierungsmodell – ein Teil der Ausbildungskosten wird zurückgezahlt. Das zurückerbrachte Geld wird wieder in die nächsten Auszubildenden investiert, so entsteht Nachhaltigkeit. Das Projekt fungiert als Vorbild und hilft, die Jugendlichen von der Straße zu holen. Indem sie zu Pflegerinnen ausgebildet werden, wird auch der vorherrschende Mangel an Fachkräften minimiert.“
Preis und Urkunde übergaben der Generaldirektor der Novomatic, Franz Wohlfahrt, Gabriele Payr, Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, und Peter Hanke, Geschäftsführer der Wien Holding, an Balthasar Rauter.


Preisträger 2011 in der Kategorie „bilden & befähigen“
„HIPPY“, Verein für Informationsvermittlung, Bildung und Beratung, Wien, Niederösterreich, Steiermark

 HIPPY ist ein Bildungs- und Frühförderprogramm für sozial- und bildungsbenachteiligte Familien mit Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren. Jede Mutter wird bei sich zu Hause wöchentlich eine Stunde lang von einer zweisprachigen Betreuerin mit speziellem Übungsmaterial vertraut gemacht, das sie dann allein mit ihrem Kind täglich durcharbeitet. Mütter werden so in die Lage versetzt, eigenständig familiäre Bildungsaktivitäten durchzuführen. Ziel ist es, die Frauen zu stärken und sie dem Arbeitsmarkt näherzubringen, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern und damit ihre gesellschaftliche Integration zu erleichtern.
Die Jurybegründung: „Der Aspekt Heimbesuch hat in Österreich wenig Tradition, was für die Zielgruppe (schwer erreichbare Migrantinnen) sehr wichtig ist. Herausforderungen im Bereich Bildung werden vor allem in den Schulstrukturen beleuchtet. Bei diesem Projekt wird die andere Seite, das Zuhause, die Eltern unterstützt. Die Mitarbeiter von HIPPY gehen in die Familien, direkt in die Communitys und setzten in ihrer Arbeit niederschwellig an. Das führt dazu, dass man niederschwellige Multiplikatoren ausbildet und die Mütter befähigt, selbst Bildungsträgerinnen zu sein. Außerdem vermitteln sie Wissen nicht nur an die Kinder, sondern auch an die gesamte Familie. Hierfür gibt es eine genaue Dokumentation, die methodisch versiert und langjährig erprobt ist.“
Preis und Urkunde übergaben der Präsident der Industriellenvereinigung Wien, Georg Kapsch, und Peter Eichler, Vorstandsdirektor der UNIQA Personenversicherung AG, an Liesl Frankl.


Preisträger 2011 in der Kategorie „unternehmen & arbeiten“
„Gelebte Diversität“, wohnpartner, Wien

 wohnpartner ist ein Nachbarschafts-Service im Wiener Gemeindebau. Aufgabe ist es, durch vielfältige Angebote, Projekte und Maßnahmen die Nachbarschaft im Gemeindebau und die Identifikation mit dem Wohnumfeld zu stärken. Schon die Vielfalt seiner Mitarbeiter/innen an kulturellen Erfahrungen und Sprachen wird als Stärke betrachtet. Ein Drittel der Führungskräfte und etwa 40 Prozent der wohnpartner-Mitarbeiter/innen haben Migrationshintergrund. wohnpartner führt intern Diversitäts-Schulungen für alle Mitarbeiter/innen durch und hat zudem eine eigene Fokusgruppe rund um das Thema Diversität in der Organisation eingerichtet – auch speziell für türkischsprachige Mitarbeiter/innen. Stärke und Vielfalt der Mitarbeiter/innen ermöglicht es wohnpartner, den Anliegen der Bewohner/innen vor Ort besser zu entsprechen.
Die Jurybegründung: „Wohnen ist ein wichtiges Thema im Bereich Integration. Die wohnpartner sind eines der wenigen Services der Stadt Wien, das sich darauf eingerichtet hat, Migranten auch zu 30 Prozent in der Führungsetage zu beschäftigen. Die wohnpartner sind ein Spiegel ihrer Kunden, was die Akzeptanz erhöht. Von Konfliktmanagement bis zu Deutschkursen bieten sie ein überaus breites Feld für ihre Kunden an.“
Preis und Urkunde übergaben Johannes Schuster, Vorstandsdirektor der RZB, und die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank an Josef Cser.


Ehrenpreis der Jury: Hans Staud

 Seit den 1970er Jahren – als es noch „Gastarbeiter“ hieß – beschäftigt Hans Staud Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen, mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen. Damals hat er auch Serbisch und Kroatisch gelernt, um sich mit seinem Personal verständigen zu können. Sein Konzept von Integration hat nichts mit moderner Diversitätsstrategie zu tun und ist trotzdem effizient, weil es aus dem Gefühl für die Menschen kommt. Hans Staud ist als Mensch und als Unternehmer Vorreiter in Integrationsfragen und wurde für sein langjähriges Engagement mit einem Ehrenpreis der Jury ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte durch die den stellvertretenden Obmann des Vereins „Wirtschaft für Integration“, Ali Rahimi, die Schirmherren des Vereins, Bürgermeister Michael Häupl und Generalanwalt der RLB NÖ-Wien Christian Konrad, sowie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.



Finanzielle Unterstützung

Vier weitere Projekte wurden mit dem Preisgeld in der Höhe von jeweils 2.500 Euro bedacht: die „Heim-WM für alle“ des Vereins „Sport spricht alle Sprachen“ in Salzburg, das Nachbarschaftsprojekt des Vereins „Miteinander am Monte Laa – Laaer Berg“ in Wien, das Wiener Schulprojekt „Pazmanitengasse ist Vielfalt – Vielfalt ist Mehrwert“ sowie das Theaterstück „Heim.at“ des interkulturellen Vereins Motif in Bregenz.

Infobroschüre
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